Woche 102 & 103: Pizza und Coca Tee
Woche 102 & 103: Pizza und Coca Tee

Woche 102 & 103: Pizza und Coca Tee

Der Deutsche mit Rotwein, der Italiener mit Bier und der Peruaner … mit Coca-Tee. Eine Pizza kann in jedem Land sehr italienisch schmecken. Immer mit gewissen Landestypischen Abschweifungen doch was man dazu trinkt, kann sehr große Abweichungen haben. So ist die „Vegetarianea“ hier aus dem Holzofen mit Avocado und serviert wird sie gerne mit Coca Tee. Aber jetzt habe ich schon sehr vorgegriffen, befinden wir uns doch eigentlich noch auf plus minus null.

Aufstieg in die Anden:

Von unserer kleinen Mango Farm geht es in der Früh weiter. Wir schlängeln uns eine gut ausgebaute Asphaltstraße langsam immer weiter nach oben. Die Strecke bis zu unserem nächsten Ziel Huaraz schaffen wir nicht ganz. Nicht weil die Strecke zu lang ist, sondern weil Huaraz schon wieder über 3000 hm liegt und wir es nicht übertreiben wollen.
Es geht für uns erst einmal in ein kleines Dörfchen namens Pariacoto. Es ist ein kleines Dorf mit einem sehr schön angelegten Park in der Mitte. Wir parken unsern Greeny mit viel Getöse auf dem Dorfplatz, mit nicht weniger als unendlich viel Aufmerksamkeit. Plätze wie diese sind uns immer unangenehm. So viel Aufmerksamkeit ist uns eigentlich immer nicht so recht. Aber es gibt nun mal nichts anderes passendes auf der Strecke.

Es ist Montag, somit ist im Park ab 21 Uhr nichts mehr los und wir können ruhig schlafen. Diese Plätze, wie auch Plätze im Nirgendwo ziehen immer einen sehr leichten Schlaf mit sich. Nicht selten liest man in der gut vernetzten Reisegemeinschaft von bewaffneten Raubüberfällen hier und da. Wir stellen uns immer die Frage, was, wenn uns das mal passiert…
Haben wir vor kurzem doch erst von „Peter“ gelesen, der mit Blick in den Lauf einer Waffe all sein Hab und Gut hergegeben hat. Kühn hat er es aber noch geschafft zu verhandeln, dass der Dieb mit seinem Pass und den Kreditkarten doch wirklich nichts anfangen kann und er sie wieder bekommen kann. Da wir aber nicht besonders scharf auf ein solches Erlebnis sind, suchen wir immer unsere Schlafplätze sehr gut aus.

Wir tauchen ein in die Cordillera Blanca:

Nach einem leckeren, selbstgebackenen Sauerteigbrot mit Ei und getaner Arbeit geht es für uns weiter. Es warten auf uns ein Pass mit über 4200 hm und danach geht es auf ca. 3000 hm wieder abwärts. Die Straße ist gut, wären da nicht wieder die asphaltfarbenen Topes, die doch so gerne im Schatten verschwinden und immer dann auftauchen, wenn man sie am wenigsten erwartet. Zum Glück sind wir Berg hoch so langsam, das auch ein übersehen nichts ausmacht. Wir schlängeln uns auf engen Serpentinenstraßen immer weiter nach oben. Ab 3500 hm beginnt Greeny wieder mit den Farben am Auspuff zu spielen. Mit einer gleichbleibenden schwarzen Fahne geht es die letzten Höhenmeter nach oben.
Da sind sie!! Die Cordillera Blanca. Eine atemberaubende Bergkette mit über 50 Gipfeln mit mehr als 5700 hm. Ein atemberaubender Anblick!
Wir steigen aus und machen einige Fotos und merken sofort, wie anstrengend das Wiedereinsteigen doch ist.

Die Cordilla Blanka. Eine Bergkette mit über 50 Bergen über 5700 hm.

Es geht wieder runter ins Tal. Wir haben ein Plätzchen am Rande der Stadt ausgesucht. Erst geht es durch den verrückten Stadtverkehr von Huaraz bis wir zu unserem Plätzchen kommen.
Boa! Da sind sie wieder. Die Berge mit über 5700 hm. Wir schauen aus unserem Fenster direkt auf zwei davon.
In den nächsten Tagen, hat sich einiges an Arbeit angestaut, dass wir hier erstmal abarbeiten werden. Also bleiben wir hier für die nächsten 3 Nächte. Was wir noch dazu sagen müssen, da es seit Mexiko wirklich nicht selbstverständlich ist, ist die Dusche. Eine warme Dusche, mit Druck und heißem Wasser, die man auf über 3000 hm und 5 Grad in der Nacht wirklich gut brauchen kann.

Laguna Paron:

Es soll endlich weiter gehen. Der Plan ist gefasst. Wenn das Wetter klar ist, geht es direkt hoch zur Lagune, wenn es bedeckt ist, geht es nur ins nächste Dorf namens Caras.
Wir wachen auf und wir blicken gestochen scharf auf unsere beiden Hausberge. Also schnell schnell arbeiten und los geht’s. Die 80 km bis Caras haben wir nach schlappen 2,5 Stunden hinter uns gebracht. Da ich es nicht lernen will, fahren wir natürlich unbedacht direkt in die Stadt, wie uns Google Maps leitet. Natürlich ein fataler Fehler, mit einem 9-Tonner die Route nicht vorher anschauen. Erst ist die Straße breit, dann schmal, dann nur noch knapp und dann gesperrt…
Der Wochenmarkt versperrt uns die Weiterfahrt. Was nun? Klar links oder rechts. Wir entscheiden uns für links. Knapp wird zu, hoffentlich geht es immer nur gerade aus. Dann kommt die unverhoffte T-Kreuzung. Hinter uns eine Schlange Autos und Motorräder, die keine Chance haben vorbeizufahren. Kurz kommt mir der Gedanke, wenn wir da nicht herumkommen, haben wir dezent gesagt ein kleines Problem. Zu allem Überfluss steht genau in der Ecke noch ein Betonierter Strommast.
Siegessicher, stelle ich mich mitten rein in die Kreuzung. Kurz darauf Verkehrschaos pur. Ein so kleiner Koloss, wie es Greeny doch ist, fährt hier wohl nicht alle Tage.
Wir stehen an. Vorne und an dem betonierten Strommast. Uns eilt ein Peruaner zu Hilfe. Wieder ein Stückchen zurück und ganz knapp ran an das geparkte Motorrad. Wieder vor. Los kleiner rauf auf den überdimensionierten Randstein. Und wieder runter und zurück. Nach dem fünften Versuch, haben wir uns so weit vorgearbeitet, dass wir mit unserem Gott sei Dank so kleinen Radstand herumkommen. Ab jetzt nur noch gerade aus bis wir wieder auf einer größeren Straße sind. Dann stehen wir da. Rechts geht es in Richtung unseres Ziels und links? Nun ja da geht eine Breite Straße direkt zur Hauptstraße, die wir auch einfach nehmen, hätten können. Aber wo wäre denn da der Spaß geblieben!

Wie fast immer in Peru wird der Belag abseits der Hauptstraßen direkt eine Schotterpiste. Steil geht es immer weiter nach oben. In einer Kehre, die genug Platz bietet, lassen wir den Luftdruck in den Reifen vorne auf 3 bar und hinten auf 4 bar ab. Der Unterschied ist genial. Langsam gleiten wir über die Steine und die ich kann, im Rückspiegel beobachten, wie die Reifen alle größeren Steine einschließen und hinter sich wieder ausspucken. Es geht immer weiter nach oben. Bei Gegenverkehr müssen immer beide ausweichen. Irgendwie geht es aber dann doch immer. Nach ca. zwei Stunden erreichen wir den Parkeintritt. Wir kaufen uns die Tickets und er lässt uns durch die Schranke fahren. Es ist halb eins und als ich ihm sage, dass wir heute noch wieder herunterkommen, schaut er mich verdutzt an und teilt mir mit, dass die Schranke ab 17 Uhr dicht ist.

Ich fahre unser Expeditionsmobil ein Mercedes 1017 AF die schmale Bergstraße nach oben.

Eine Bergstraße in Peru aus Schotter.

Hier hätte uns klar sein sollen, dass der Aufstieg doch noch länger dauern wird.
Die Straße wird immer enger und Autos kommen nur noch in den Buchten aneinander vorbei. Hier und da müssen wir an einem Bergrutsch vorbei. Die Straße wurde zwar wieder gemacht, aber ist halt auch nur genauso breit wie Greeny. Langsam und möglichst vorsichtig tasten wir uns an solchen Stellen vorbei.
Was würde euer Magen machen, wenn ihr aus dem LKW / Auto Fenster nach unten blickt und außer Abgrund keine Straße mehr seht?
Annas trockener Kommentar mit leicht verzogener Miene: „Oha!! Wenn wir wieder herunterfahren, wirst du staunen!“
Sie wird recht behalten. Als ich auf der Seite sitze beim Herunterfahren und in den Abgrund blicke, wird mir auch kurz anders.

Nach 3 Stunden harter Plackerei, bei uns nervlich und bei Greeny maschinell, stehen wir kurz vor unserem Ziel vor einer kleinen Holzbrücke. Spannweite höchstens 1,5 Meter. Stammdurchmesser, auch höchstens 10 cm. Anna steigt aus Sicherheitsgründen aus.
Mein schneller Gedanke, den ich in Zukunft nicht wieder so treffen werde, vorne sind wir recht leicht das sollte halten und hinten, hinten ist ein stabiler unterfahr Schutz der noch auf der anderen Seite aufliegt, wenn wir einbrechen. Ganz langsam rollen die vorderen Räder über die Brücke. Unter leichtem knacken und ächzen, rollen auch endlich die hinteren Räder ganz drüber.

Ich befestige und stabilisiere noch die Brücke damit wir darüber fahren können.

Der nächste Hangrutsch mit dem tiefen Abgrund ist danach nur noch ein Wimpern zucken.

Dann stehen wir oben auf über 4200 hm, blicken auf eine türkise langgezogene Lagune und dahinter ragt die Pirámide empor. Die Form ist eine perfekte Pyramide mit über 5700 hm. Schneeweiß strahlen uns die Gletscher an. Ein atemberaubender Platz. In der Höhe bleibt uns bei dem Anblick alleine schon fast die Luft weg. Natürlich werden wir es nicht mehr nach unten schaffen und entscheiden uns, zum ersten Mal auf über 4000 hm zu schlafen. Kurz nochmal die Anzeichen und Gefahren der Höhenkrankheit gecheckt und entschieden, wenn jemand bzw. im schlimmsten fall wir beide die Höhenkrankheit bekommen, können wir nur auf den nächsten Tag warten, und Schmerztabletten nehmen. Eine Abfahrt in der Nacht wäre mit einem Selbstmordversuch gleichzusetzen.
In der Nacht wird es so still, dass es fast weh tut. Leider zieht es zu, sodass wir keine Sterne mehr sehen können. In der Nacht kühlt es auf 3 Grad ab. Wie immer gewohnt, schlafen wir mit allen Fenster offen, sodass wir unangenehme 12 Grad in der Früh im Inneren haben.
Wir haben schon viel über unsere Heizung geschimpft, doch bis jetzt hat sie uns in der Höhe noch nicht im Stich gelassen. Nach dem zweiten Versuch springt sie an und nach kurzer Zeit haben wir wieder wohlige 25 Grad im Inneren.

Ein Berg an der Laguna Paron.

Wir frühstücken und ich erledige noch meine tägliche Arbeit. Manchmal muss ich mir wieder sagen, was wir für ein Glück haben. Dank heutiger Technik, ist es uns möglich, weit weg von jeglicher Zivilisation mitten in einem Nationalpark auf über 4200 hm ist es uns möglich, mit einem Server in Deutschland zu verbinden und für unsere deutschen Kunden zu arbeiten.
Leider bleibt es den ganzen Tag bedeckt und uns bleibt der erneute Blick auf die Pirámide verwehrt.
Wir machen uns wieder an den langen Abstieg. Vorbei an dem Hangrutsch, rüber über die Brücke und vorbei an der Engstelle. Bei dem Anblick könnte selbst ich fast gläubig werden.

Kurzer Gruß dem Parkwächter zugeworfen und immer weiter runter. Es sind zwar nur 30 km, doch 5 Stunden Fahrt reichen. Wir bleiben auf einem kleinen Campingplatz in Caraz stehen. Dort treffen wir Axel und Elke mit ihrem riesigen 20 Tonnen Expeditionsmobil, die sich von dem Campingplatzbesitzer nach oben fahren haben lassen. Mit Erinnerung an die Brücke, sicher die richtige Entscheidung.
Am Abend haben wir noch Spanischunterricht und fallen danach todmüde ins Bett.

Pläne sind dazu da, über den Haufen zu schmeißen:

Am nächsten Tag geht es weiter. Wir wollen über einen Pass die Cordillera Blanca überqueren dahinter auf einem noch höheren „Tal“ weiter Richtung Süden fahren und dann wieder über den nächsten Pass Richtung Küste abdriften.
Nach keinen 20 km beginnt meine Bremsleuchte zu leuchten, wenn ich Bremse. Da es nur einen „Sensor“ gibt, weiß ich sofort, es fehlt Bremsflüssigkeit. Ich bleibe stehen und das dauert länger und mit mehr druck als ich eigentlich wollte. Es fehlt in beiden Behältern Flüssigkeit. Etwas ratlos schütte ich Bremsflüssigkeit nach und steige wieder ein. Wir fahren los und noch zwei Testbremsungen ist klar, da stimmt gewaltig etwas nicht.
Ich blicke auf die Bremsen und sehe überall Bremsflüssigkeit. Was nun? Eigentlich eine Sache für ein schönes Plätzchen mit viel Zeit. Definitiv aber nichts, um zwei Pässe mit insgesamt mehr als 9000 hm zu überwinden. Axel und Elke stehen bereits mit Bremsenproblemen in Huaraz in der Mercedeswerkstadt. Kurzerhand, entscheiden wir uns auch für die Option Werkstadt. Wenn es wirklich beide Hinteren Bremszylinder sind, müssen beide Steckachsen hinten Gezogen werden. Eine Arbeit, die mit Betonboden und genügend Unterbaumöglichkeiten schon ärgerlich ist.

Wir stehen beim Mercedeshändler in der Werkstatt.

Wir gesellen uns zu Axel und Elke. An Ihrem Mercedes wird bereits gearbeitet. Wir werden wie beim Arzt aufgenommen. Alle möglichen Daten werden von Greeny und seinen Besitzern aufgenommen.
Nach 3 Stunden, fragen wir vorsichtig nach, ob es besser ist, wenn wir morgen wieder kommen.
Halb neun ist für den nächsten Tag ausgemacht. Wir schlafen wieder bei unseren beiden Bergen und der tollen Dusche. Um halb neun sind wir am nächsten Tag da. Es gibt aber nur diesen einen LKW-Mechaniker. Er macht erst Oskar von Axel und Elke fertig. So ein Ölwechsel mit abschmieren, kann auch schnell mal einen halben Tag dauern. Wir trinken während dessen Kaffee auf Kosten von Mercedes und tauschen Reisegeschichten aus.

Nach der Mittagspause ist es endlich so weit. Der Techniker widmet sich Greeny. Mit geübten Handgriffen löst er die Bremsen Abdeckungen und flitzt währende dessen liegende auf einem kleinen Rollbrett unter ihm hindurch. Er stellt fest, dass auch vorne links der Bremszylinder komplett undicht ist. Knatternd hämmert der große Schlagschrauber die Muttern auf. Wenn Greeny schnurren könnte, würde er es jetzt tun. War doch so professionelles Werkzeug noch nie an ihm am Werke.
Der Mechaniker und ich stehen nebeneinander und blicken auf den vollkommen zerstörten Bremszylinder. Er blickt mich an, dann wieder den Zylinder, wieder mich und sagt nur: „Mixto?“
Ich blicke ihn an und sage lachend: „Si, Claro!“ (Mixto, bezieht sich hier auf das Bremssystem, das von hydraulischer Betätigung, Druckluft verstärkt wird, aber dann die eigentliche Bremsausübung wieder Hydraulisch ist. Ganz grob erklärt)

Obwohl ich durch seinen Dialekt fast nichts verstehe, weiß ich sofort, wenn wir nicht das passende Teil dabeihaben, werden wir hier länger stehen. Verschmitzt grinse ich ihn an und sage ihm, dass wir natürlich einen nagelneuen dabeihaben. Sichtlich erleichtert lacht er auf und keine halbe Stunde später sind wir mit Entlüften beschäftigt.
Bei der näheren Prüfung stellen wir fest, hinten müssen die bremsen lediglich entlüftet werden. Noch am selben Tag mache ich zusammen mit dem Mechaniker eine Testfahrt. Trotz Warnung, fliegt er mir beim Bremstest fast durch die Windschutzscheibe. Ich lasse einen kurzen Freudenschrei los und bewundere glücklich die beiden schwarzen Striche im Rückspiegel.
Freundlicherweise, dürfen wir Greeny auf dem Bewachten Sicherheitsgeländer für zwei Nächte Stehen lassen. Da wir nicht wussten, wie lang das ganze dauern wird, haben wir uns vorsichtshalber schon ein Hotel in Huaraz gebucht.

Huaraz und unser Reisegeburtstag:

Es wird bereits dunkel als wir in ein noch fast leeres Collektivo steigen. Vergleichbar mit einer verkleinerten Version eines VW-Busses in dem aber mindestens 10 Stitz und mindestens nochmals 7 Stehplätze vorhanden sind. Fahrer und zweifacher Beifahrer nicht miteingerechnet.
Kurze Zeit später ist der Bus so voll, dass Platzangst in dieser Situation sehr schlecht wäre. Nach ca. 30 Minuten Fahrt erreichen wir endlich unsere „Haltestelle“. Die letzten Meter müssen wir laufen. Wir beziehen ein Zimmer, wohingegen Greeny ein 5-Sterne Luxusresort ist. Aber wir wollen uns für 15€ pro Nacht nicht beschweren.

Die Stadt ist zwar ganz hübsch und auch aufregend, wenn man über den Markt schlendert, doch reißt sie uns nicht vom Hocker. Die alte Architektur wurde in einem Erdbeben 1970 komplett zerstört und die neuen Häuser sind nicht unbedingt der Hit. Es gibt aber einige kleine Kaffees, Restaurants und wir besuchen noch das Museum de Ancash. Wir lernen etwas über die Völker und ihre Kunst der Steinhauerei. Entspannen beim Bewundern der Figuren noch im hauseigenen Garten, bevor es wieder in das Chaos geht.

Am Abend genießen wir noch eine Pizza. Als wir kommen, ist der Holzofen schon auf perfekter Temperatur. Einige Pizzas sind schon durch, die Ziemlich perfekt aussehen. Als Vorspeise gibt es eine Burratacrem mit geröstetem Brot. Als Hauptgang bekomme ich eine Vegetariana (Pizza) und für Anna gibt es Nudeln mit Pesto. Um das Menü vollständig zu machen, gibt es als Nachtisch eine Nutellapizza. Einfach Pizzateig im Ofen gebacken und wenn er noch heiß ist, Nutella drauf. Glaubt uns, wer es noch nicht kennt, der sollte es probieren. Unsere Tischnachbarn Trinken zur Pizza Coca Tee. Wir bleiben für uns klassisch bei Fanta und Wasser.

Vielleicht fragt ihr euch warum wir es uns so gut gehen lassen? Dafür gibt es ganz klar zwei Gründe. Erstens muss man eine solche kulinarische Schatzkiste ausgiebig ausnutzen und zweitens, ist heute unser Jahrestag. Unser Reisestart ist auf den Tag genau zwei Jahre her. Zwei Atemberaubende Jahre die uns bis jetzt durch insgesamt 12 Länder und zwei Kontinente gebracht hat. Wir haben über 45.000 km zurückgelegt, haben bei minus 31 Grad gefroren und gegen eine streikende Heizung gekämpft, haben atemberaubende Landschaften durchstreift, sind durch den tiefsten Punkt Nordamerikas gefahren, hatten einen Hitzerekord in Mexiko mit 56 Grad, haben bei 40 Grand und 100% Luftfeuchtigkeit in Zentralamerika geschwitzt, haben Greeny verschifft nach Südamerika, sind mit ihm auf über 4600hm emporgestiegen und haben in Peru am Fuße von unglaublichen Bergen mit über 6700 hm geschlafen. Wir durften verschiedenste Kulturen kennen lernen und haben von noch mehr Menschen gelernt, was es wirklich bedeutet, Hilfsbereit zu sein.

Es geht Talwerts:

Uns sitzt die Zeit im Nacken. Peru ist dreimal so groß wie Deutschland und wir haben nur 3 Monate dafür. Durch unseren ungeplanten Stillstand entscheiden wir uns gegen die beiden Pässe und nehmen lieber direkt Kurs auf die Küste. Da wir nicht den Gleichen wegfahren wollen, bleiben wir noch einen Fahrtag auf der Höhe und tauchen erst die nächste Abfahrt an die Küste ab.
Die Straße ist sehr schlecht und langsam kriechen wir durch die Schlaglöcher. Sicher kann ich nicht sagen, ob es noch eine Straße mit Schlaglöchern oder doch schon Schlaglöcher mit etwas Straße ist.
So vergehen die Stunden und wir schaukeln immer weiter.

In einer Kurve sehen wir einen großen LKW mit Warnblinker und daneben einen großen Teil seiner Ladung. Zufällig läuft er gerade die Straße entlang und hält sein Hände suchend nach Empfang nach oben. Wir erinnern uns an die Worte von Michael Knopf, dem Kanadier, der uns zwei Wochen lang bei sich aufgenommen hat, als unser Anlasser kaputt war. Wir wollten uns bedanken aber er wollte nichts dafür. Er hat uns nur einen Zettel in die Hand gedrückt und gesagt: „Wenn ihr jemanden seht, der Hilfe braucht, denkt an mich und hilft ihm!“

Ich teste also unsere neuen Bremsen und wir fragen ihn, ob wir ihm helfen können. Er muss Telefonieren denn er braucht Hilfe, um die ganzen Stahlplatten wieder aufzuladen. Als wir ihm sagen, dass wir WLAN haben, und er einfach damit Telefonieren kann, sind wir uns nicht ganz sicher, ob er uns gerade für verrückt hält. Er telefoniert, aber Hilfe kommt frühestens in einem Tag, wenn überhaupt. Ich biete ihm meine Hilfe an und zusammen machen wir uns ans Werk. Uff… Das war ein ganz schöner Haufen und das ganze auch noch bei dünner Luft…

Wir laden also drei Stunden lang seine Stahlplatten auf und Anna versorgt uns mit Kaffee, Tee und Bananen. Als Dank will er uns unbedingt Diesel schenken. Ein Angebot, das ich gerne annehme, da es auf Kosten einer Firma ist. Leider ist nur die Umsetzung schwierig, da wir keine Pumpe oder Kanister haben, um den Diesel von dem einen Tank in den anderen zu bekommen. Er läuft noch extra zum nächsten Nachbarn, um einen Schlauch zu besorgen. Doch bedauerlicherweise vergebens. Ich lache ihn an und sag ihm, dass er es als Geschenk sehen soll! Dass wir Zeit haben, und er lieber an uns denken soll, wenn er jemanden sieht der Hilfe braucht und diesem Helfen. Es wird spät, bis wir an der Laguna Conococha ankommen. Ein Vogelparadies, wo man von Flamingo bis zur Ente alles entdecken kann. Mit dem Fernglas bewundern wir die Vögel und lassen den Abend ausklingen.

Runter vom Berg in eine der ältesten Städte auf dem amerikanischen Kontinent:

Für uns geht es Früh weiter und nur noch Berg ab. Bis zur Küste geht es über 4000 hm bergab. Uns Zielpunkt ist Caral. Mitten in der kargen Wüstenlandschaft nördlich von Lima liegt dieser Ort, den kaum jemand kennt. Der aber doch eine der wichtigsten archäologischen Entdeckungen Südamerikas ist. Caral, die älteste bekannte Stadt des amerikanischen Kontinents. Wir stehen auf dem trockenen Boden einer fast 5.000 Jahre alten Siedlung und können es kaum glauben.

Caral wurde um 2.600 v. Chr. erbaut, also zur gleichen Zeit wie die Pyramiden in Ägypten. Und doch ist hier in Peru kaum ein Tourist unterwegs. Kein Wunder, Caral liegt ziemlich abgelegen mitten im Supe-Tal, zwischen Sand, Kakteen und ein paar grasenden Ziegen. Die Landschaft wirkt auf den ersten Blick leblos, aber genau hier blühte einst eine hochentwickelte Zivilisation.

Die Ruinen von Caral bestehen aus riesigen Pyramiden, Versammlungsplätzen, Wohnhäusern und sogar einem Amphitheater. Alles wurde aus Stein, Lehm und Schilf gebaut ohne Metallwerkzeuge, ohne das Rad, ohne Schrift. Und trotzdem war hier richtig was los. Man geht davon aus, dass ca. 7.000 Menschen in Caral lebten und Handel mit weit entfernten Regionen trieben bis hin zur Küste und ins Hochland.

Was uns besonders fasziniert hat ist die Kultur von Caral. Diese war gänzlich friedlich. Es wurden keine Waffen gefunden, keine Spuren von Krieg. Stattdessen Hinweise auf Musik, Tanz, Zeremonien und einen ausgeklügelten Anbau von Baumwolle und Lebensmitteln. Offenbar haben hier Menschen in Gemeinschaft und mit viel Organisation zusammengelebt und das Jahrhunderte lang.

Eine weitere spannende Sache ist, Caral wurde erst in den 1990er-Jahren entdeckt und ausgegraben. Davor dachte man, dass die Geschichte Südamerikas mit den Inka beginnt, aber Caral zeigt, dass hier schon Jahrtausende vorher große Kulturen lebten. Es ist, als würde man an einem Ort stehen, der ein ganz neues Kapitel in der Menschheitsgeschichte aufgeschlagen hat.

Wenn man durch Caral läuft, fühlt man sich ein bisschen wie auf einem anderen Planeten. Zwischen Sand, uralten Steinen und der Ahnung, dass wir gerade mal an der Oberfläche dessen kratzen, was diese Welt uns noch erzählen kann.

Ab ans Meer:

Ein Kommentar

  1. Maria Krämer

    Hallo ihr beiden
    wieder haben wir, Reinhard und Maria, mit Spannung euren Bericht gelesen. Huaraz war uns ja vertraut, immer hält man vor den aus der Stadt sichtbaren Bergungehäuern den Atem an. Reinhard war auch an der Laguna Peron und erzählte mir, für die diese Tour zu beschwerlich war, von seinem Rausch im Anblick der Schönheit. In Caras verbrachten wir eine ganze Woche, um den Indigenen zu begegnen. Und schließlich Caral mit der Offenbarung einer älter als jemals geahnten Cultura ohne Waffen und Befestigung, durch welche die Geschichte von Südamerika seit neuestem umgeschrieben werden muss.
    Aus Zeitgründen musstet ihr wohl euren Weg nach Lima relativ rasch durchziehen. Weil wir allein immerhin 3 Monate in Nordperu waren, haben wir die vielen präkolumbianischen Küstenkulturen mit ihren hochkarätigen Museen kennenlernen können. Das war dort, wo ihr meintet, nur durch Wüste zu fahren. Bei jeder Flussmündung hatte sich eine andere Kultur entwickelt, Chimu war nur die letzte vor der Inkazeit und der Spanier.
    Nachholen könnt ihr das Versäumte nicht mehr, aber ihr könnt immerhin in Lima das Museum Larco besuchen. Eine dringende Empfehlung!
    Mit dem Riesenauto behaltet weiter so viel Glück,
    das wünschen wir, Maria

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