Woche 144: Zurück bei Greeny
Woche 144: Zurück bei Greeny

Woche 144: Zurück bei Greeny

Manchmal fragt man sich ja schon, wie viel Glück man eigentlich haben kann.

Kurz nach unserer Ankunft in Cusco wurde uns nämlich klar: Wir hatten wohl wirklich mehr Glück als Verstand, als wir im Oktober los sind.

Wir dachten eigentlich, dass wir einfach wieder nach Peru einreisen, neue drei Monate bekommen und dann ganz entspannt mit Greeny weiterfahren können. Fehlanzeig. Wie sich jetzt herausgestellt hat, muss man mindestens 180 Tage außerhalb von Peru gewesen sein, um wieder neue drei Monate Aufenthalt zu bekommen. Da hatten wir unbewusst richtiges Glück 😀

Bei Greeny ist es leider auch nicht ganz so unkompliziert, wie wir gehofft hatten. Leider müssen wir hier auf die Kulanz der Beamten hoffen, falls unsere Verlängerung für weitere 3 Monate nicht gehen sollte, müssen wir in 24 Tagen ausreisen.

Also stehen wir erstmal noch  in Cusco. Genauer gesagt bei Milli, dort, wo Greeny die letzten knappen sieben Monate auf uns gewartet hat. Wir haben ihn noch nicht wieder offiziell angemeldet und nutzen die Zeit, um alles in Ruhe fertig zu machen.

Und ganz ehrlich: Es fühlt sich gerade gar nicht so falsch an.

Nach drei Tagen Anreise waren wir einfach nur froh, endlich wieder bei Greeny zu sein. Und dann dieser Moment, als wir die Tür geöffnet haben: kein Schimmel, kein komischer Geruch, nichts Feuchtes, nichts Katastrophales. Einfach Greeny. Trocken, staubig und in richtig gutem Zustand.

Wir waren so erleichtert!

Beim letzten Mal, als wir aus Deutschland zurückkamen, war das komplett anders. Damals wollten wir eigentlich sofort wieder losfahren, standen dann aber erstmal zwischen verschimmelten Sachen, Stress und schlechter Laune. Dieses Mal war es anders. Dieses Mal hat es sich direkt wieder wie Zuhause angefühlt.

Unsere Bettwäsche und alle Bezüge konnten wir gleich bei einer Nachbarin waschen lassen. Danach wurde geputzt, geräumt, sortiert und irgendwie waren wir viel schneller wieder angekommen, als wir gedacht hatten.

Jetzt stehen wir hier also in Cusco, tagsüber meist bei 10 bis 15 Grad und nachts teilweise bei Minusgraden, und machen Greeny wieder reisefertig. Wir räumen um, misten aus und wundern uns mal wieder, wie viel Zeug sich selbst auf Reisen ansammelt. Man denkt ja immer, man besitzt gar nicht so viel. Und dann zieht man einmal alle Schubladen auf.

Ein bisschen Glück hatten wir auch mit dem Zeitpunkt unserer Rückkehr. Denn wir sind genau im Juni wieder in Cusco angekommen.

Und Juni in Cusco ist einfach besonders.

Überall ist etwas los. Auf der Plaza, in den kleinen Gassen, vor Kirchen, auf Straßen und Plätzen. Ständig hört man Musik, irgendwo tanzt eine Gruppe vorbei, Menschen tragen wunderschöne, bunte Kleidung.

Wir lieben das sehr.

Der Juni ist in Cusco der sogenannte Festmonat, der „Mes Jubilar“. Die Stadt feiert ihre Geschichte, ihre Kultur und ihre Verbindung zur Inka-Tradition. Der Höhepunkt ist am 24. Juni das Inti Raymi, das Sonnenfest der Inka. Es gehört zu den wichtigsten Festen in Cusco und wird unter anderem am Qorikancha, auf der Plaza de Armas und in Sacsayhuamán gefeiert.

Solange wir also noch hier sind, nehmen wir davon mit, was geht. Wir waren nochmal bei einer Führung, laufen viel durch die Stadt und freuen uns jedes Mal, wenn plötzlich wieder irgendwo getanzt wird.

Und dann ist da noch das Essen.

Cusco ist für uns wirklich ein kleines veganes Paradies. Und das ist irgendwie fast schon lustig, wenn man bedenkt, dass wir die letzten Monate durch halb Europa gefahren sind und dort oft Schwierigkeiten hatten, ein nettes Café oder ein gutes veganes Restaurant zu finden.

Hier in Cusco dagegen gibt es gefühlt an jeder Ecke ein schönes gemütliches Lokal. Richtig gutes Essen, liebevoll gemacht, hochwertig und mit einer Auswahl, die wir in Deutschland oft vermisst haben. Auch pflanzliche Milchsorten sind hier einfach normal. Nicht diese eine traurige Option, bei der man froh sein muss, dass es sie überhaupt gibt.

Aber so schön Cusco auch ist, die Höhe merken wir trotzdem.

Wir sind hier auf ungefähr 3.500 Metern. Am ersten Tag hatten wir direkt Glück und haben einen ganzen Beutel voller Coca-Blätter bekommen. Seitdem kauen wir fröhlich Coca-Blätter und trinken Coca-Tee. Damit geht es uns eigentlich ganz gut.

Nur beim Kochen zeigt uns die Höhe jeden Tag wieder, dass hier ein paar Dinge anders laufen.

Michi meinte diese Woche nur: „Bohnen werden hier einfach nicht mehr weich.“

Und ja. Genau das.

Bohnen brauchen hier Stunden. Wirklich Stunden. Dinge, die sonst einfach nebenbei laufen, werden hier plötzlich zu kleinen Geduldsproben.

Und dann kommt noch dazu, dass man vieles, was für uns total selbstverständlich ist, hier kaum bekommt. Bohnen oder Kichererbsen in Dosen zum Beispiel. In Deutschland greift man ins Regal, fertig. Hier kochen wir sie selbst. Und das dauert. Sehr lange.

Es klingt nach einer Kleinigkeit, aber im Alltag macht es tatsächlich einen Unterschied. 

Nebenbei steht natürlich auch noch Arbeit an Greeny an. Michi möchte hinten noch den Stabilisator wechseln. Mal schauen, wie gut das klappt. Danach schauen wir weiter, was noch gemacht werden muss, bevor wir wieder richtig losfahren können.

Denn die große Frage steht immer noch im Raum:

Wie geht es jetzt eigentlich weiter?

Ursprünglich war unser Plan, von Peru aus nach Bolivien zu fahren. Aber im Moment sieht es leider nicht danach aus, als wäre das eine gute Idee.

Bolivien war schon in den letzten Jahren nicht immer ganz einfach zu bereisen, vor allem wegen der schwierigen Spritversorgung. Aktuell hat sich die Lage aber noch einmal deutlich verschlechtert. Es gibt Proteste, Streiks und viele Straßenblockaden. Wichtige Verbindungen sind gestört, und teilweise gibt es Engpässe bei Benzin, Lebensmitteln und anderen Dingen.

Viele Reisende hängen seit Wochen in Bolivien fest.

Für uns fühlt sich Bolivien im Moment deshalb einfach nicht planbar an.

Deswegen überlegen wir jetzt, von Peru direkt nach Chile zu fahren und Bolivien vielleicht später beim Hochfahren mitzunehmen. Das würde unsere ganze Route natürlich ziemlich durcheinanderbringen.

Vor allem, weil wir im Oktober, November Besuch erwarten. Und wenn man Besuch einplant, spielen plötzlich wieder ganz andere Dinge eine Rolle: Jahreszeiten, Entfernungen, Trockenzeiten, schöne Treffpunkte und natürlich die Frage, wo wir bis dahin überhaupt sein können.

Also schauen wir jetzt erstmal, wie lange wir noch in Peru bleiben, was wir uns hier noch anschauen möchten und wann es für uns weiter Richtung Chile geht.

Ganz sicher ist gerade noch nichts.

Aber wir sind wieder bei Greeny. Wir stehen in Cusco. Um uns herum wird getanzt, gekocht, geschraubt und geplant.

PS: Fast vom Glauben abgefallen sind wir übrigens beim Spritpreis. Im Oktober lag der Diesel noch bei ungefähr 80 Cent. Jetzt kostet er rund 1,50 Euro. Zum Leid der Bevölkerung, der Durchschnittsverdienst ist ja weitaus geringer als der in DE.

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