Woche 95: Kaffe mit Käse?
Woche 95: Kaffe mit Käse?

Woche 95: Kaffe mit Käse?

Eine neue Ära beginnt

Nach knapp zwei Jahren on Tour verändert sich so einiges. Wir haben das Gefühl, als würde eine neue Ära anstehen, ein neuer Abschnitt. Und mit ihm auch neue Eigenschaften, neue Prioritäten, eine neue Lebensweise.

Von dem einen oder anderen kamen schon Fragen, warum man so wenig von uns hört. Auch unsere Social-Media-Plattformen scheinen etwas eingeschlafen zu sein. All das hat primär einfache, aber auch sekundär weitreichende Gründe.

Unser Leben hat sich in den letzten zwei Jahren sehr verändert von: Wir können tun, was wir wollen über: Oh, es gibt wieder Termine, bis hin zu: Wir verlängern und dürfen währenddessen unser Geld verdienen.

Von anderen Reisenden wurden wir schon das ein oder andere Mal gefragt, wie wir all unsere Projekte händeln können, während Reisen ja schon ein ganz eigenes, anstrengendes Projekt ist.
Regelmäßiger Spanischunterricht, Arbeiten, Nachhilfe geben, Social Media in einnehmendem Maß, doch noch mit YouTube anzufangen, hier die Webseite, uns weiterbilden um Geld verdienen zu können, während wir unser rollendes Zuhause in Schuss halten und uns tagtäglich auf neue Situationen einstellen dürfen.

Ich glaube, wir merken, dass die letzten Jahre gut waren, wie sie waren, aber dass wir anders durch Südamerika reisen wollen.

Unser Kopf soll freier werden, leichter. Nicht jede Minute daran denken, wie wir unsere Reise darstellen oder teilen könnten. Sondern mehr die Momente genießen. Mehr im Hier und Jetzt sein. Das versuchen wir absofort umsetzten zu lernen.

Die größten Palmen der Welt – Valle de Cocora

Vor einigen Wochen besuchten wir das Cocora-Tal, bekannt für die höchsten Palmen der Welt. Bis zu 60 m kann so eine Palme messen. Ein traumhaftes Gebiet. Es handelt sich um Wachspalmen, die mittlerweile unter Schutz stehen, da sie in der Vergangenheit in großem Maß gerodet wurden, um Kerzenwachs herzustellen.
Wir verbrachten ein paar wundervolle, ruhige Nächte ganz allein in diesem Tal und machten die ein oder andere Tour.

Kommen wir zu einer sehr lustigen Anekdote:

Seitdem wir im Kaffeeanbaugebiet unterwegs sind, fällt uns auf den Menükarten und den auffallend großen Schildern am Straßenrand immer wieder eine Besonderheit auf:

Tinto con queso (Kaffee mit Käse)
Aguapanela con queso (Zuckerlimonade mit Käse)

Wir haben uns ständig gefragt, was das sein könnte. Vielleicht ein wenig Sahne? Oder eine Art Crème fraîche im Kaffee? So ein Klacks? Oder eventuell Milch? Immerhin heißt hier oft vieles queso, was für uns nichts mit Käse zu tun hat.

Irgendwann war ich so mutig und meinte stolz zu Michi: „Heute probiere ich einen Tinto con queso.“ Gesagt, getan.
Immer noch unwissend machte Michi den Spaß, dass wir vermutlich jetzt einen Kaffee mit einer Scheibe Emmentaler bekommen würden.

Und tatsächlich! Der Kellner kam und servierte einen normalen schwarzen Kaffee – mit einem ca. 10 × 8 × 1 cm großen weißen Bauernkäseblock.
Wir lachten nicht schlecht. Aber gut, wir genossen unseren Block Käse und tranken nebenbei den Tinto, nichtsahnend.
„Guter Snack“, dachten wir uns noch.

Bis wir tatsächlich mitbekamen, dass der Käse in den Kaffee gehört!
Man bricht sich ein Stück ab, lässt ihn im Kaffee schmelzen und löffelt ihn heraus.
Wir geben zu … Unser Käse war schon weg, als wir die Info bekommen haben.
Aber ob wir das wirklich nochmal ausprobieren sollen???

Wir düsen weiter Richtung Bogotá. Hier beginnen zwei Wochen, in denen Greeny eine Rundum-Beauty-Behandlung bekommt, wir fleißig arbeiten und die Stadt anschauen.
Die großen Städte (Bogotá: 8 Millionen Einwohner) sind einfach nicht schön. Wir fühlen uns nie so richtig wohl und können auch keine wirklich tollen Ecken entdecken.

Es geht weiter, Stück für Stück nach Ecuador.
Nach der Kaffeeregion kommt die Zuckerregion. Es ist gerade Erntezeit, und wir beobachten Road Trains, LKWs mit vier bis fünf Anhängern, die massenweise weißes Zuckerrohr transportieren.
Die Gegend wirkt wie die Po-Ebene: rechts und links ein paar Bergketten, wir befinden uns allerdings auf 700 hm.
Alles ringsum ist platt, und überall, wirklich überall, wächst Zuckerrohr! Ein interessantes Spektakel.

Die Landschaft wird zur Grenze nach Ecuador hin immer malerischer. Wir fahren entlang von Bergketten auf ca. 1500 hm.
Tiefe Schluchten graben sich ein, wilde Flüsse durchziehen das Land – wie wir es zuletzt in den USA gesehen haben.
Die Landschaft wird karg und trocken, es gibt auch wieder Kakteen.

Auf den letzten 500 Kilometern sehen wir vor allem eins: Flüchtlinge.
Menschen, teils ohne Schuhe, in zerrissener Kleidung, ziehen mit ihren Kindern dieselbe Straße entlang wie wir.
Sie sind wohl auf dem Weg zum Darién Gap, eine Zone, der man sich aktuell in Kolumbien möglichst nicht nähern sollte. Die Flüchtlingslage spitzt sich im Moment stark zu.

Mal schauen, ob wir diese Woche noch Ecuador erreichen.

Ps: Wir freuen uns immer über euren lieben Kommentare!

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