Woche 98: Die Luft wird dünn!
Woche 98: Die Luft wird dünn!

Woche 98: Die Luft wird dünn!

Bevor wir weiterziehen können, will ich (Michael) noch endlich die fehlenden Teile für unsere neue Hupe besorgen. Ich mach mich mit Uber auf den Weg und stehe wenig später vor einem Sicherheitsmann, der mich komplett durchcheckt bevor ich in den Verkaufsbereich komme.
Leider dürfen Sie mir erst etwas verkaufen, wenn ich für mehr als 100$ einkaufe. Deutlich zu viel für uns und so bekomme ich noch eine Shop Empfehlung noch deutlich weiter draußen. Wieder geht es mit Uber 40 Minuten raus aus Quito.

Unser Greeny in Quito auf einem Campingplatz mit einen "kleinen" Nachbarn einem Zetros LKW.

Blick von Quito aus auf den Cotopaxi.

Mein Fahrer ist ein Mann in meinem Alter. Wir reden über unsere Reise, unsere Arbeit und seine Arbeit. Er fährt seit 8 Jahren Uber und liebt es, weil er so oft mit neuen Menschen in Kontakt kommt.
Er erzählt mir noch viel über Ecuador und die Esskultur. Natürlich diskutieren wir ebenfalls über die heimische Delikatesse, das Meerschweinchen. Für uns skurril, für ihn völlig normal.
Nach einer Gefühlten Ewigkeit, komme ich endlich wieder Zuhause bei Greeny an.

Cotopaxi Nationalpark:

Cotopaxi in der Abendstimmung.

Es geht weiter zum Nationalpark Cotopaxi. Eine große breite Autobahnähnliche Straße führt uns zum Park. Wir befinden uns dauerhaft zwischen 2800 und 3200 üMh. Die Berge neben uns sind 4000 Meter hoch und doch sehen sie aus, als wären es kleine „Hügel“ einfach, weil die Perspektive so verzerrt ist.

Wir kommen erst sehr spät am Nationalpark an und müssen noch eine Nacht davor verbringen. Am nächsten Morgen stecken wir in einer dichten Wolke und entscheiden uns, bevor sich der Nebel nicht verzogen hat, es keinen sinn macht, weiter in den Park zu fahren. Am Mittag wird es endlich besser, und wir starten die Fahrt in den eigentlichen Nationalpark. Schnell wird Asphalt zu einer Wellblechpiste.

Wir lassen die Luft aus den Reifen, bis wir mit 4 Bar in den Reifen über das Blech hinweg gleiten können. Auf 4000 hM machen wir eine Wanderung um eine Lagune. Beobachten Wildpferde, die ruhig um die Lagune grasen. Im Hintergrund der imposante Cotopaxi mit fast 6000 hM. Wir sind zwar schon gut an die höhe gewöhnt, doch jeder kleine Hügel, lässt einen spüren, dass man sehr hoch ist.

Wir entscheiden uns, wir wollen das Mittagessen so hoch einnehmen wie es geht. Es geht weiter. Immer höher und höher fahren wir auf einer sehr schlechten Schotterpiste nach oben. Es wird steiler und steiler. Am Rand stehen die ersten Autos, denen die höhe zu viel wurde.

Greeny auf 4620 hM auf einem Parkplatz im hintergrund der Cotopaxi.

Auf 4400 hM, gibt uns auch Greeny zu spüren, dass ihm die Luft zu gering wird. Wir müssen in die Untersetzung schalten und kriechen immer weiter nach oben. Wir kommen auf 4680 hm an unserem Mittagsplatz an. Alles wird langsamer. In Greeny einsteigen war noch nie so anstrengend. Wir kochen uns ein Rührei mit Tofu. Vielleicht ist es nur Einbildung, doch wir haben das Gefühl, alles schmeckt etwas fad auf der Höhe.

Wie reagiert der Körper auf Höhenlagen über 3500 m?

Ab einer Höhe von etwa 3500 Metern über dem Meeresspiegel verändert sich die Sauerstoffversorgung des Körpers deutlich – und das kann spürbare Folgen haben. In dieser Höhe enthält die Luft rund ein Drittel weniger Sauerstoff als auf Meereshöhe. Für den Körper bedeutet das: Jede einzelne Zelle bekommt weniger Sauerstoff, was eine ganze Kette an Anpassungsprozessen in Gang setzt.

Typische erste Symptome bei nicht angepasstem Aufenthalt in dieser Höhe sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit oder Schlafstörungen. Diese Anzeichen gehören zur sogenannten akuten Höhenkrankheit und treten oft innerhalb der ersten 6 bis 24 Stunden auf. Die Ursache liegt im geringeren Sauerstoffpartialdruck, der den Körper in eine Art „Notfallmodus“ versetzt: Die Atmung wird schneller, das Herz schlägt häufiger, und der Körper beginnt, mehr rote Blutkörperchen zu produzieren, um den Sauerstofftransport zu verbessern. Diese Anpassung benötigt jedoch Zeit – oft mehrere Tage bis Wochen.

Bei längerem Aufenthalt in großen Höhen passt sich der Körper zunehmend an: Er erhöht dauerhaft die Atemfrequenz, produziert mehr Hämoglobin und verändert sogar den pH-Wert des Blutes. Wer sich allerdings zu schnell in Höhenlagen bewegt oder sich dort körperlich überanstrengt, riskiert ernste Komplikationen wie Lungen- oder Hirnödeme.

Zum Schlafen, Fahren wir wieder auf ca. 3800 hM hinunter. Es gibt einen Platz im Nationalpark in dem man Campen. Wir hoffen auf einen spektakulären Sternenhimmel, doch leider zieht am Abend alles wieder zu. Bis wir am Nächsten Tag um 9 Uhr wieder aufbrechen, können wir keinen Blick mehr auf den Cotopaxi erhaschen.

Die Zeit auf Reisen:

Wir haben für Südamerika ca. 2 Jahre Zeit eingeplant. Da wir uns nun auf der „anderen“ Seite der Welt sind, kehren sich die Jahreszeiten, bzw. Regen und Trockenzeiten um.
Einige Ziele auf der Reise, sind nur in der Trockenzeit zu erreichen. So müssen wir einen groben Plan für die 2 Jahre schmieden.
Zwei Jahre reise mögen für die meisten sehr lang klingen, ist aber für einen so großen Kontinent nur ein Klacks. Manch ein Punkt muss gestrichen werden, da es die Entfernungen schlichtweg nicht zulassen.

Wir brauchen Luft:

Ein Kolibri trinkt Necktar aus einer gelben Blüte.

Der Unterschied zwischen 3000 hM und 3800 hM sich dauerhaft aufzuhalten ist riesig. Wir schlafen nicht mehr so tief und Anna hat große Schwierigkeiten einzuschlafen. Nach zwei Nächten mit schlechtem Schlaf, entscheiden wir uns mal wieder eine weitere Strecke hinter uns zu lassen. Wir entscheiden uns gegen Quilatoa, einen riesigen See in einem Vulkankrater auf wieder knapp 4000 hm. Es geht nach Riobamba und weiter nach Alausí.

Alausí liegt in einem Talkessel auf 2300 hM. Schnaufen müssen wir hier quasi nicht mehr. So viel Luft hatten wir schon lang nicht mehr und es reichen zwei Atemzüge alle 10 min.
Wir stehen bei Viktor. Einem Ecuadorianer, der in den USA aufgewachsen ist und wieder nach Ecuador zurückgekommen ist. Er betreibt ein kleines Hotel und eine Farm. Wir stehen auf einer Wiese vor seinem Haus. Unser Nachbarn sind: Ein schwarzes Schwein das fröhlich vor sich hin grunzt, drei Hunden unzähligen Hühnern und vielen verschiedenen Vöglen, die wir nicht alle aufzählen können. Von knall rot, gelb und orange bis zu schlichten Tauben die das Gurren verlernt haben und nun eher sich danach anhören als hätten winzige Ferkel fliegen gelernt.

Hier stehen wir nun in unserem kleinen Farmer-Paradis. Arbeiten, genießen die Stille und ich montiere endlich meine beiden „kleinen“ Hupen.
Wir werden hier noch zwei oder drei Tage entspannen, dann geht es weiter. Wohin, erfahrt ihr beim nächsten Mal.

Ein Kommentar

  1. Maria Krämer

    Sehr toll, dass ihr im Cotopaxi-Nationalpark wart. Wir haben nicht dorthin fahren können, weil wir Wolken hatten. Und gut, dass ihr mal die Höhe ausprobiert habt. Ich weiß noch, wie ich in Quito einfach morgens zum Frühstück immer einfach 1000 mg Aspirin genommen habe, sonst hätte ich wegen der Höhe vor lauter Kopfschmerzen gar nichts machen können. Wir waren immerhin 10 Tage in Quito. Habt ihr auch die Aussicht oben von der Madonna gesehen? Krass!
    Und ich beneide euch, dass ihr Brillenbären gesehen habt. Wir waren mehr als 2 oder 3 Wochen in der Gegend im Nebelwald und haben keine sehen können. Also
    weiter viel Glück auf eurer Tour,
    Maria

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